Video: „Ein Scheibchen Ruhm“

André Ziegenmeyer und die ganze Wahrheit über….

Kostenloses Live-Hörspiel

Die Lesungen haben derzeit Sommerpause. Zur Unterhaltung zwischendurch gibt’s deshalb jetzt das Live-Hörspiel „Operation Engelskuss“.

Der Text begleitet mich zwar schon ein paar Jahre. Aber als Hörspiel in anständiger Qualität war er bisher nicht zu haben. Viel Spaß! 🙂

André Ziegenmeyer : „Operation Engelskuss“

Feenstaub voraus!

Mein neues Werk „Sex, Drugs & Feenstaub“ erscheint am Samstag, 16. Juli! Die Release-Party findet ab 20 Uhr in Berlin statt. Zu erleben gibt es eine Mischung aus Lesung, Live-Hörspiel und Konzert.

Mit dabei ist die zauberhafte Irish Folk Band The Sycamore Tree, die auch mit zwei Liedern auf „Sex, Drugs & Feenstaub“ vertreten sein wird.

Denn das neue Werk besteht nicht nur aus plattgewalzten und zurecht geschnittenen Bäumen – es umfasst auch eine CD. Damit ist „Sex, Drugs & Feenstaub“ nach „P.L.Ü.S.C.H.“ mein zweites Hörbuch. Und Hörspielmaschine „Hermann“ hat natürlich auch ihren Teil beigetragen.

Mehr Infos unter „Werke“ und unter „Termine“.

Vorbestellungen werden ab sofort entgegen genommen! 😉

Der verborgene Taufpate

André Ziegenmeyer liest „Der verbrogene Taufpate“

Der verborgene Taufpate (aus „P.L.Ü.S.C.H.“)

Grübelnd saß Stanislaus Schaluppke über die schwere Platte seines Schreibtisches gebeugt. Eine tiefe Falte zog sich quer über seine Stirn und er war sich zunehmend sicher, dass dies ein wirklich beschissener Tag werden würde. Stanislaus Schaluppke hatte deren gewiss schon mehrere gehabt, denn sein Leben bei der Behörde war kein leichtes. Dieser Tag jedoch hatte gute Chancen, zum unangefochtenen Spitzenreiter zu werden.
Zögerlich wanderte der Blick des Beamten eine Reihe verschiedener Diplome entlang, die die Wände seines Büros zierten – ohne, dass sich seine Miene dabei nennenswert aufgehellt hätte. Stanislaus Schaluppke war ein gewissenhafter Mensch.
Über die Art seines Humors mochte sich das eine oder andere sagen lassen – doch soweit es die Punkte Dienstfertigkeit und Eifer anging, war er ein wahres Musterbeispiel. Darüber hinaus wurde er jedoch nicht müde zu betonen, dass es für seine Arbeit auch ein gerütteltes Maß an Erfindungsgabe brauchte.
Stanislaus Schaluppke arbeitete beim Amt für profilstiftende Heimatbenennung – einer direkten Unterbehörde des deutschen Innenministeriums. Seine Aufgabe und die seiner Kollegen bestand darin, neu entstehenden Ortschaften möglichst skurrile Namen zu geben und auf diese Weise den lokalen Possierlichkeitsfaktor zu erhöhen. In Zeiten des wirtschaftlich ausgebauten Massentourismusses keine ganz unbedeutende Aufgabe.
Darüber hinaus konnte Stanislaus Schaluppke von sich behaupten, der älteste diensttuende Heimatbenenner zu sein – und es erfüllte ihn mit Stolz, dass einige der spektakulärsten Ortstaufen in der Geschichte der Behörde auf seine Initiative zurückgingen. Markante Namen wie Runkel, Sack, Warzen, Sargstedt, Rammelsbach, Narrenstetten, Blödesheim, Eiterbach und Magenbruch stammten direkt aus seiner Feder.
Diesmal jedoch hatte ihn sein Vorgesetzter vor eine besonders schwierige Aufgabe gestellt. Bereits an dessen süffisantem Lächeln hatte Stanislaus erkennen können, was ihm bevorstand. Es war ein offenes Geheimis, dass ihm bis zu seiner Pensionierung noch knappe zwei Wochen blieben – und augenscheinlich wollten seine Kollegen die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen, ihm vorher noch kräftig eins auszuwischen.
Dafür hatten sie sich auch etwas ganz besonderes einfallen lassen.
Das Amt für profilstiftende Heimatbenennung war für ganz Deutschland zuständig. Doch innerhalb der Behörde gab es eine ganz bestimmte Lieblingsregion – ein Prestigeobjekt, ein internes Flaggschiff. Es handelte sich dabei um einen unscheinbaren Landstrich in Norddeutschland. Außer Kühen, Schafen und endlosen Wiesen gab es dort nicht sonderlich viel – doch so gut wie jeder Heimatbenenner hatte dort bereits seinen Stempel hinterlassen.
Diese Gegend jedenfalls trug den Namen „Land Wursten“ und verfügte neben Ortschaften wie Krempel und Schlingelshöhe noch über eine ganz besondere Dörfertrias. Ihre einzelnen Bestandteile waren jeweils kaum mehr als fünf Kilometer von einander entfernt – und es handelte sich dabei um die Ortschaften Fickmühlen, Drangstedt und Hymendorf.
Stanislaus wusste nicht genau, welcher seiner Kollegen sich für diese Konstellation verantwortlich zeichnete. Aber wer immer es war: Er hatte gewiss einen Orden erhalten. Die Tatsache, dass Drangstedt auf jeder Regionalkarte über gleich drei großzügig verzeichnete Parkplätze verfügte, fiel da kaum noch ins Gewicht.
Mitten zwischen diesen drei Dörfern war nun eine weitere Siedlung entstanden. Im Grunde war es kaum mehr als ein Konglomerat von wenigen versprengten Häusern – doch der Ordnung musste genüge getan werden und so brauchte diese Ansammlung natürlich einen Namen. Und genau an diesem Punkt begann Stanislaus Schaluppkes Problem.
Gramerfüllt raufte er sich die Haare. Endlose Stunden hatte er in schweigsamem Brüten verbracht und sich immer neue Namen aus dem zermarterten Hirn gewrungen. Darunter waren sogar so aussichtsreiche Kandidaten wie Trippersweiler, Knatterstein und Moppsingen gewesen. Letztlich jedoch hatte er sie alle verworfen.
In abgehackter Folge trommelten seine Finger ein nachlässiges Stakkato auf die Tischplatte. Sein Blick bohrte sich geradewegs in die gegenüberliegende Wand hinein und seine Zähne malten unablässig auf dem hinteren Ende seines behördlichen Kugelschreibers herum. In den angrenzenden Büros konnte Stanislaus bereits die feixenden Kollegen hören.
Mit einem Male hielt sein Unterkiefer inne. Stanislaus Schaluppke hatte plötzlich das Gefühl, dass irgendwo im verqueren Wirrwarr seiner Synapsen ein Streckensignal auf Grün gesprungen war. Vom Moment dieser Erkenntnis an blieb ihm gerade noch genügend Zeit, um seine Augenbrauen neugierig in die Höhe zu ziehen – da rumpelte der mentale Eilzug auch schon mitten durch sein Gehirn. So plötzlich, dass Stanislaus vor Schreck beinahe seinen Kugelschreiber zerbissen hätte.
Als der Zug davon gerumpelt war, blieb ein unscheinbares, kleines Paket zurück, das vom letzten Waggon herab gefallen sein musste. Vorsichtig traten Stanislaus’ Gedanken näher und fanden darin die Idee, nach der sie so lange gesucht hatten. Er betrachtete sie und musste zugeben, dass sie ihm gefiel – was nicht zuletzt mit ihrer Schlichtheit zu tun hatte.
Langsam nahm er das entsprechende Formular zur Hand. Dann malte er mit mühsam hervorgestreckter Zunge und der ihm eigenen Sorgfalt die Buchstaben auf das Papier. Anschließend lehnte er sich zurück und ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht. Der Name des neuen Nachbardorfes von Fickmühlen, Drangstedt und Hymendorf würde ein ganz einfacher sein. Er würde schlicht und ergreifend „Duschen“ lauten.