Das Schimmelrequiem

André Ziegenmeyer liest „Das Schimmelrequiem“

Das Schimmelrequiem

Es war einmal ein Schimmelpilz,
der liebte meinen Küchenfilz.
Im Kühlschrank tief, im Herd ganz vorn
war er ganz fabelhaft in Form.

Ich hegte ihn bald Jahr um Jahr,
ein treuer Freund er lang schon war,
und litten wir auch manche Not,
geteilt ward brüderlich das Brot.

Bis eine Frau ich endlich traf –
sogleich sie ihre Netze warf,
mich vollends darin zu verstricken –
der Teufel selbst in ihren Blicken.

Des Pilzes Ende war nicht weit,
denn Frauen lieben Reinlichkeit
und wollte ich sie ganz erringen,
musst ich den Gammel niederzwingen.

Der Abend selbst war ein Debakel,
Zur Wonne kam so mancher Makel;
Sie wollt die Welt zu Füßen haben,
an einem Mann von Welt sich laben.

So steh ich einsam und beschämt,
voll Leid und Kummer, ganz vergrämt.
Das Weib ist fort, mein Herz ist schwer,
mir bleibt nicht mal der Schimmel mehr.

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